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Radio LoRa Aktuell Sendung des Monats Aentli Bier & Aerger

Aentli Bier & Aerger

aentli

Äntli, Bier und Ärger, das sind Felix, Urban und Demian. Die drei treten jeden vierten Samstag im Monat live im LoRa-Studio an und auf, mit (E-)Bass, Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, Mischpulten und anderen Instrumenten. Dazu laden sie immer Gäste ein. Wir führten das Interview mit der Band, Steffen, der schon oft mit eigenen literarischen Texten und als Moderator dabei war, und Urs, der gerade in der Sendung zu Gast war.

Was ist die Idee hinter eurer Sendung und wie seid ihr dazu gekommen?

Felix: Grundsätzlich geht es um Musik und Text und darum, wie man beides im Radio verknüpfen kann, so dass sich die Moderation vom Sprecher in die Musik einflechten kann und das Ganze einen Zusammenhang bekommt. Das Radioelement ist für uns wichtig, denn die Technik - ein- und ausfaden z.B. - verwenden wir als kompositorisches Element.
Urban: Die Frage ist, wie kann man die Technik zum Musikmachen gebrauchen, zum Spielen damit. Aber es geht auch um Gleichberechtigung von Technik und Sprache, und von Musik und Sprache.
Demian: Dazu kommt, dass wir alle keine Profimusiker sind, deswegen bietet sich das Kombinieren mit Text auch aus praktischen Gründen an. Die Sendung lebt davon, dass wir kein festgeschriebenes Konzept haben und innerhalb der Band ganz unterschiedliche Ansätze existieren.
Steffen: Das entwickelt sich auch. z.B. ging es früher vor allem um Text und Musik, inzwischen sind Geräusche dazugekommen.
Felix: Letztlich haben wir schon ein starkes Konzept; das können wir vielleicht nicht vollends präsentieren, aber ich finde, am Schluss passt es immer.

Wie stark improvisiert ihr?

Felix: Angefangen haben wir mit sehr strukturierten Sendungen, und wir haben mehrere Rollen übernommen, also einer hat einen Text gelesen und gleichzeitig Musik gemacht. Das mussten wir trennen, weil es zu anstrengend war, zu dritt alles zu machen. So sind wir auf Gäste gekommen. Im Moment haben wir einen Rahmen gefunden, wo es darum geht, das Thema einer Sendung zu bestimmen, gerade auch bei der Musik. Wir nehmen ein Musikstück auseinander, und statt es hintereinander weg zu spielen, also klassisch Teil A, B, C usw., machen wir viele Stückchen draus und spielen die innerhalb eine Stunde im Radio. Das hilft einerseits beim Üben, weil es sehr komplizierte Stücke sind, andererseits ist es gut, um sich darauf zu konzentrieren.

Wie sucht ihr die Gäste aus?

Urban: Wir haben eigentlich immer Künstler genommen, die wir gekannt haben und von denen wir dachten, sie passen in die Sendung. Urs, der heute zu Gast war, ist gelernter Radio-/Fernsehtechniker und Musiker, der auch manchmal Radiosendungen macht, weshalb er auch gut zum Thema der Radiokunst gepasst hat.
Felix: Zum Teil hat es sich einfach ergeben. Uns ist wichtig, dass die Leute mitmachen und sich selbst künstlerisch einbringen, auch die Hörer, die bei uns anrufen.
Steffen: Das sind schöne Momente, wenn sie so offen sind, dass sie sich einbringen. Es geht ja nicht um diese klassische Aufteilung in Zuhörer und der, der die Sendung macht, so ganz hierarchisch und dominant, sondern darum, dass die Leute ihre Rolle als Zuhörer aufgeben und aktiv mitwirken. Auch wenn sie was ganz Unmögliches sagen, damit müssen wir dann eben umgehen. Wir wollen die Rückmeldung. Man kann im Radio auch ziemlich vereinsamen.
Urban: Es ist eben nicht nur der Hörer, der einsam ist und passiv, sondern manchmal hat man als Sendungsmacher das Gefühl, man bekommt einfach keine Rückmeldung.
Steffen: Wir versuchen Anregungen zu schaffen, indem wir es lustig machen oder lebendig. Ich hoffe, die Leute gestatten uns unser Chaos (lacht). Ich weiss nicht, ob wir jemals gescheitert sind, das liegt wahrscheinlich im Auge des Betrachters.
Urban: Wir scheitern immer (lacht)
Urs: Du musst einfach den Fehler zur Tugend machen, also etwas damit machen. Es ist wie bei der Musik, wenn du live einen Fehler machst, musst du weiterspielen, du musst den Fehler zu Musik machen. Aber das ist sehr schwer, vor allem wenn man zu viert ist. Radio läuft auf verschiedenen Ebenen ab, du hast deinen Kopfhörer und weißt nicht genau, was rauskommt.

Ihr habt im Vorfeld des Elektromagnetischen Sommers in diesem Jahr eine Sendung gestaltet und später mit der Künstlergruppe Valbella8 eine Kooperation gemacht. Wie würdet ihr euch in diesem Umfeld "Audiokunst" situieren?

Felix: Die aktuelle Sendungen haben wir in einer Art selbstreflexiver Reihe geplant, also Audiokunst, Radiokunst, die nächste wird dann mechatronische Kunst zum Thema haben. Darin überlegen wir, was machen wir eigentlich, wo situieren wir uns. Ich finde aber, dass die Sendung offen bleiben sollte, dass auch andere Leute einspringen können. Ich sehe mich selbst erstmal als Musiker, aber Audiokunst ist es, weil wir eben das Radio und die elektronischen Aspekte mit hinein nehmen.

Gibt es noch andere Kooperationen ausser mit Valbella8?

Felix: Wir sind immer an Kooperationen interessiert, und es ergibt sich oft durch die Gäste in unseren Sendungen. Urban macht mit Urs noch ein Projekt; beim Projekt mit Valbella8 haben wir Vlada kennen gelernt, die im August bei uns in der Sendung zu Gast war. Ich hoffe, dass das weitergeht. Steffen ist auch zuerst als Gast gekommen und gehört inzwischen viel mehr dazu.
So etwas kommt auch auf die Gäste an. Manche denken, sie können kommen und einfach am Radio Spass haben.
Steffen: Oder sie wollen die Sendung als Plattform nutzen und es ist ihnen superwichtig, ihr Projekt vorzustellen. Wir werden unserem Anspruch nicht gerecht, wenn wir dem Gast eine Plattform zur Selbstdarstellung bieten; das ist ein bisschen unterwürfig und wir wollen kein Kulturmagazin machen. Die Musik steht immer noch im Vordergrund.

Kasten: Äntli Bier & Ärger ist jeden vierten Samstag im Monat von 19-20 Uhr auf Radio LoRa 97,5 MHz oder über den Livestream zu hören. Ältere Sendungen finden sich im Sendungsarchiv von www.lora.ch.

Interview: Robert Heinze