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Stellungnahme von Radio LoRa zum Plakat:
„LoRa25: Lässt jeden ran“ Rod Kommunikation

In den ersten zwei Juliwochen waren insgesamt 25 LoRa Plakate, die verschiedene Zürcher Werbeagenturen gestaltet haben, ausgehängt. Ein Plakat der Werbeagentur Rod Kommunikation ist dabei in die Kritik geraten: Das Plakat zeigt einen ausschliesslich mit einem roten Spitzen-BH bekleideten Oberkörper einer Frau. An ihren Hals sehen wir ein Glitzerkettchen mit einem „LoRa“ Schriftzug. Begleitet wird das Plakat mit dem Spruch „Lässt seit 25 Jahren jeden ran“ und dem LoRa25 Button. Die extrem sexualisierte und heteronormative Darstellung der Frauenbrust und der Spruch legen es nahe, den Oberkörper als den einer Sexarbeiterin zu sehen.

Das Plakat von Rod Kommunikation war an zwei Orten aufgehängt, an einer Stelle wurde es offensichtlich von PassantInnen, die mit dem Dargestellten nicht einverstanden waren, vorzeitig abgehängt.

In der folgenden Stellungnahme möchte ich als Inhaberin der LoRa Frauenstelle den Kontext des Plakats im Rahmen der LoRa25 Plakatkampagne nachzeichnen und Schlussfolgerungen vorschlagen, wie wir in punkto Darstellung nach Aussen mehr Gendersensibilität einfordern können.

Die Reaktionen
Das Plakat hat eine breite Diskussion um Sexismus ausgelöst. Zahlreiche Rückmeldungen auf dieses Plakat haben ihren Unmut, ihre Empörung und ihr Unverständnis darüber artikuliert, wie sich Radio LoRa als Projekt, das sich seit 25 Jahren für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzt und als basisdemokratisches Medienprojekt einer besonders reflektierten Darstellung von Genderkonstruktionen verpflichtet ist, durch dieses Plakat nach aussen darstellt.

Es ist ein Kennzeichen emanzipatorischer Medienarbeit, eben nicht „jeden ranzulassen“, sondern sich vehement gegen Rassismus und Sexismus sowie anderer Formen von Diskriminierung auszusprechen. Der Grundsatz der Zugangsoffenheit, der Freie Radios auf der ganzen Welt bestimmt, bedeutet nicht Beliebigkeit: Für sexistische sowie anderweitig diskriminierende Inhalte gibt es keinen Platz bei Radio LoRa.

Speziell für die Aussenwirkung der feministischen Arbeit, die bei LoRa allen Unkenrufen zum Trotz passiert, hat sich dieses Plakat als ungünstig erwiesen und den Kontakt mit anderen feministischen Zusammenhängen erschwert.

Was macht sexistische Werbung aus?
Werbung ist allgegenwärtig. Damit Werbung überhaupt bewusst wahrgenommen wird, muss sie überraschen, irritieren, provozieren, ärgern oder zum Lachen anregen. Sie spiegelt gesellschaftliche Werte und die zugrunde liegenden Machtverhältnisse. Dabei kann sie diese abbilden und bestätigen, aber auch unterlaufen und kritisieren.

Gerade in der Darstellung von Männern und Frauen in der Werbung sind Stereotypen und eine diskriminierende Repräsentation besonders wirkungsmächtig. Nicht jede Werbung, die nackte Haut abbildet, muss sexistisch sein. Das, was jedeR von uns als diskriminierend und herabwürdigend wahrnimmt, hat sehr viel mit unserer eigenen Sozialisation, unserem sozialen und politischen Hintergrund zu tun. Dennoch ist Sexismus nichts, was es wegzudiskutieren gäbe. Es gibt sinnvolle Definitionen, an denen sich Sexismus in der Werbung festhalten lässt. Eine davon schlägt z.B. der Gleichstellungsrat der Stadt Zürich vor, die leider auch auf das LoRa Plakat von Rod Kommunikation zutrifft:
„Sexistisch ist Werbung dann, wenn sie ein Geschlecht, meistens die Frau, in traditionell beschränkter Funktion, als sexuell verfügbares Wesen oder nur mit stereotypen Eigenschaften darstellt; wenn sie Körper oder Körperteile wie Hintern und Brüste als Blickfang einsetzt und so voyeuristische Instinkte bedient.“

Wie ist dieses Plakat entstanden?
Im Jubiläumsjahr hat eine langjährige Sendungsmacherin 25 Zürcher Werbeagenturen angeregt, ein Werbeplakat für LoRa in Eigenregie zu gestalten. Es gab keinerlei Vorgaben, ausser dem Hinweis, dass die Darstellung weder sexistisch noch rassistisch sein darf.

Alle Werbeplakate spielen mit verschiedenen Widersprüchen: Wie nehmen uns die „Anderen“ wahr, wie setzen sie ihr Bild, das sie vom LoRa haben, in ein Werbeplakat um? Wie verhält sich diese Aussensicht mit dem Bild derer, die das LoRa von „innen“ her kennen und mittragen? Wie kann überhaupt Werbung für ein Radio ohne Werbung aussehen? Wie funktioniert Gratisarbeit für ein unkommerzielles Lokalradio im kommerziellen Umfeld von Werbeagenturen? Kann die LoRa typische Vielfältigkeit überhaupt in einer begrenzten Anzahl von Werbeträgern abgebildet werden?

Die Projektkoordinatorin hat das sehr arbeitsaufwendige Projekt in Freiwilligenarbeit eigenverantwortlich organisiert und auch alleine die jeweiligen Motive, die auf die Plakate gedruckt wurden, bestimmt. Ihr gebührt herzlicher Dank für die unentgeltliche Arbeit und das Engagement, dieses anspruchsvolle Projekt in einem äussert engen Zeitrahmen realisiert zu haben.

Die ausführende Werbeagentur Rod Kommunikation beabsichtigte, ein Plakat zu gestalten, das einerseits speziell LoRas Einbindung in den „Kreis 4 “ thematisiert und andererseits das LoRa als „Jekami“-Radio entwirft. Eigentlich ein spannendes Unterfangen, leider kommt das Resultat nicht über ein sexistisches Klischee hinaus.

Erst in allerletzter Minute vor der Drucksetzung konnte die Projektkoordinatorin den Plakatentwurf der Rod Kommunikation einsehen. Trotz eigener Bauchschmerzen hat sie sich entschieden, es zu veröffentlichen, da es sonst keine 25 Plakate gegeben hätte. Dies kann sicherlich keine „Entschuldigung“ für das sexistische Plakat sein, aber es zeigt die Rahmenbedingungen auf, unter denen es zur Veröffentlichung gekommen ist.

Konsequenzen
Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Repräsentation von Radio LoRa nach Aussen ein sensibler Gegenstand ist. Gleichzeitig sollen gerade auch Menschen ausserhalb von LoRastrukturen ermutig und unterstützt werden, sich kreative Projekte auszudenken, mit denen Radio LoRa an öffentlicher Aufmerksamkeit gewinnt.

Es liegt an uns, denen, mit denen wir partiell zusammenarbeiten, unsere Grundsätze „Kein Rassimus, kein Sexismus“ so genau wie möglich zu kommunizieren, da wie im Fall der Rod Kommunikation nicht immer eigenes Bewusstsein für diese für das LoRa wesentlichen Fragen vorausgesetzt werden kann. Gleichzeitig ist deutlich geworden, dass es bei unseren Projekten einen Zeitrahmen braucht, der es erlaubt, berechtigte Interventionen und Änderungsvorschläge umzusetzen sowie möglicherweise stärkeren Support durch LoRagremien. Darüber hinaus ist es weiterhin wesentlich, feministisches Engagement bei LoRa zu fördern und strukturell zu unterstützen, um es auch nach aussen zu tragen und angemessen zu würdigen.

Nicole Frauenstelle