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Ermüdungserscheinungen (1986)

LoRaNach drei Jahren existierte das LoRa immer noch und strafte damit die Skeptikerinnen und Skeptiker Lügen, die einem von den Hörerinnen und Hörern getragenen und nicht von professionellen Journalistinnen und Journalisten gemachten Radio eine kurze Lebenszeit prophezeiten.

Jedoch gingen die Mitgliederzahlen nach einer Zunahme 1985 im Jahre 1986 zurück. Das bedeutete, dass das Jahr 1986 mit einem Defizit abschliessen würde und das Betriebsjahr 1987 nicht gesichert war.

Der Neuheiteneffekt des alternativen Lokalradios hatte sich abgenutzt. Ermüdungserscheinungen zeigten sich sowohl bei den Sendungsmacherinnen und Sendungsmachern als auch bei den Hörerinnen und Hörern.

Die bezahlten Funktionen, die den Betrieb (Administration, Technik etc.) sicherstellten, erhielten einen Alternativlohn, waren mit Arbeit überlastet und mit Unklarheiten über Zuständigkeiten konfrontiert. Arbeiten, die zu Beginn von einer grösseren Gruppe ehrenamtlich übernommen wurden, mussten nun die fünf angestellten Personen (es war die vierte Generation in drei Jahren) bewältigen, oder sie blieben liegen.

Zusammenfassend stand in einem Brief an die zahlenden Mitglieder: "Die bedenkliche finanzielle Lage, die Ermüdungserscheinungen und die Stagnation in der Sendequalität machen ein grundsätzliches Überdenken des Projektes LoRa dringend nötig."

Während derselbe Brief festellte, das Programm sei "sowohl technisch wie inhaltlich weit entfernt vom Ideal einer breit wirksamen 'Gegenöffentlichkeit'", entwickelte sich das Programm kontinuierlich.

Nachdem im Vorjahr die Morgensendungen und Wiederholungen einzelner Sendungen am Vormittag eingeführt worden waren, strahlte LoRa 1986 Programme in neun Sprachen aus. Auch wenn einzelne Sendegefässe Ermüdungserscheinungen zeigten, konnte das Programm 1986 problemlos gefüllt werden, ja es war schwierig, neue Sendungen aufzunehmen.

Positiv sah es Jürg Frischknecht: "Nach zweieinhalb Jahren funktioniert LoRa: es ist zur Selbstverständlichkeit geworden, was bei ausländischen Radios mit Bürgerbeteiligung oft nicht der Fall war." (Volksrecht, 15. Juli 1986)



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