SENDEREIHE von RADIA zur HÖRINSTALLATION "DIE ILLEGALE PFARRERIN"

 Am 13. September 1931 tut das Bündner Bergdorf  Furna einen Schritt, den zuvor noch keine Gemeinde Europas gewagt hat: Es wählt eine Frau zur Pfarrerin. Über 80 Jahre danach macht sich die Enkelin auf die Spuren ihrer Grossmutter. Sie erzählt die Geschichte der Pionierin Greti Caprez-Roffler in einem Buch und in einer Audioinstallation für Kirchenräume. Die Installation geht 2019 auf Tournee durch mehrere Kirchen der Schweiz. Radio LoRa begleitet die Hörinstallation «Die illegale Pfarrerin» anlässlich der beiden Ausstellungsstationen in der Stadt Zürich: Seebach (1.-15.9.2019) und Saatlen-Schwamendingen (17.9.-6.10.2019)

Die feministische Redaktion sendet im Sendegefäss «Die Hälfte des Äthers» einen Schwerpunkt in Form von vier Sondersendungen im September 2019. Jede Sendung beginnt mit einer Hörgeschichte aus der Installation. Das Thema der jeweiligen Geschichte wird danach in einem Live-Gespräch mit Expert*innen vertieft.

Sendetermine:  9. September, 16. September, 23. September, 30. September - jeweils 20-21 Uhr auf Radio LoRa 97.5. MHz | DAB+ | lora.ch

9. September: Beruf(ung), Liebe, Sexualität und Familie – wenn eine Frau alles will

  1. Akt: Herbst 1930: Auf dem Ozeandampfer zwischen Brasilien und Europa

Greti hat mit ihrem Mann Gian, einem Ingenieur, der in Sao Paulo seine erste Stelle hat, ein Jahr in Brasilien gelebt und auf ihr Schlussexamen gelernt. Nun ist sie – 24jährig, schwanger und allein – unterwegs zurück in die Schweiz, um ihr Examen abzulegen und ihr erstes Kind zur Welt zu bringen. Sie ist aufgeregt. Die Provokation reizt sie: «Die Frau mit ihrem hohen, hehren Mutterberuf macht just während der Schwangerschaft Schlussexamen. Welche Schändung der göttlichen Schöpfungsordnung!»


Thema des Interviews: Frauen, die alles wollen – warum müssen Frauen auf ihre Wünsche verzichten? Vereinbarkeit von Berufung, Liebe, Sex, Familie.
zu Gast: Simona Isler (Historikerin, Dissertation zur Frauenbewegung, aktiv beim Frauenstreik 2019)
Moderation: RADIA

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16. Septmeber: Ein progressives Bergdorf – Graubünden als Kontext

  1. Akt: Herbst 1931: Als Pfarrerin im Bergdorf

Greti zieht mit neugeborenem Söhnchen, Haushälterin und Hausrat auf vier Pferdewagen nach Furna. Als erste Gemeindepfarrerin der Schweiz steht sie unter riesigem Beweisdruck. Um das Dorf tobt ein Sturm. Der «Fall Furna» wird schweizweit in den Medien verhandelt. Schliesslich konfisziert der Kirchenrat das Kirchgemeindevermögen. Im Dorf aber liebt man sie. Ein Bergbauer sagt: «Wir sind ja schon genug nah am Himmel, da reicht es auch, wenn uns ein Femininum den Weg weist.»

Thema des Interviews: Das Dorf Furna ist progressiver als die Stadt Chur! Die Bergbauern und -bäuerinnen aufgeschlossener als die reformierte Elite. Warum ist das so? Und wie sieht es heute aus? Bezug: Forschungsarbeit zu Frauenfreundschaften und lesbischen Beziehungen in Graubünden heute (Buchprojekt Fraubünden)
zu Gast: Christina Caprez
Moderation: RADIA

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23. September: Gefängnisseelsorge / Frauenkörper

  1. Akt: Sommer 1941: Als Spital- und Gemeindepfarrerin in Chur

Greti hat scheinbar alles erreicht: 1941 kann sie mit ihrem Mann, der mittlerweile auch Theologie studiert hat, das Gefängnis- und Spitalpfarramt in Chur übernehmen. Mit ihrem «Ehekameraden» auch die Berufung zu teilen, war immer ihr grosser Traum. Die Zeit in Chur gehört zu den glücklichsten, aber auch anstrengendsten Jahren ihres Lebens. Als zwei der fünf Kinder schwer erkranken und sich auch noch ein sechstes anmeldet, bricht Greti zusammen. 1944 gibt sie die Stelle auf und widmet sich nun voll der Familie.

Thema des Interviews: Inwiefern erziehen die Gefängnisse Frauen dazu, «richtige» Frauen zu sein, sich der Gesellschaft anzupassen? Autoritäre Erziehung, «Korrektion» im Gefängnis in den 1940er Jahren. Nekane Txapartegis Erfahrungen mit Gefangenschaft und «weiblichen» Tätigkeiten im Gefängnis. Gefängnisseelsorge damals und heute.
zu Gast: Gefängnisseelsorgerin und Nekane Txapartegi
Moderation: RADIA

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30. September: Frauen in der Kirche / Pfarrerinnen heute (katholisch und reformiert)

  1. Akt: Sommer 1966: «Jobsharing» mit dem «Ehekameraden» im Rheinwald

Als alle sechs Kinder ausgeflogen sind, erhält Greti eine Anfrage aus dem Rheinwald. In ihrem Herzen knistert es: Sie überzeugt Gian, gemeinsam das Pfarramt von Splügen, Nufenen und Hinterrhein übernehmen und blüht mit 60 Jahren noch einmal auf. Sie predigt alltagsnah, spricht offen über Sexualität und rät Ehefrauen in ausweglosen Situationen zur Scheidung. Spät kommt auch die offizielle Anerkennung: 1963 wird sie im Grossmünster zusammen mit elf anderen Theologinnen vom Zürcher Kirchenrat ordiniert, 1966 von der Bündner Pfarrer-Synode in ihre Reihen aufgenommen.

Thema des Interviews: Welche Position haben Pfarrerinnen heute in der Kirche? Wo steht der Kampf der Katholikinnen um das Recht, Pfarrerin zu sein?
zu Gast: die reformierte Pfarrerin und Kirchenrätin Esther Straub, und die katholische Theologin, Jacqueline Straub, die für die Frauenordination kämpft
Moderation: RADIA

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Ausstellung und Begleitprogramm:

* Reformierte Kirche Saatlen-Schwamendingen, Saatlenstrasse 240, 8050 Zürich
Dauer: 17.9.-6.10.2019, 9:00-16:30 (Ausnahme: 6.10., 9:00-13:00)
* Vernissage: Donnerstag, 19.9.2019, 19:00 
Drei Generationen der Familie Caprez berichten: Gaudenz (Sohn), Christina und Seraina (Enkelinnen) und Anouk (Urenkelin). Moderation: Esther Straub, Musik: Sofija Grgur.
* Lesung und A-cappella-Gesang: Dienstag, 24.9.2019, 19:30
Christina Caprez liest aus der Biografie, Simone Debrunner, Danielle Geyer und Martina Wernli singen.
* Konzert "Meisterinnen des Barocks": Mittwoch, 2.10.2019, 19:00 
Mit dem Ensemble Interrogatio (Sofija Grgur), der Sopranistin Olivera Tičević und mit Texten barocker Lyrikerinnen (Esther Straub).
* Finissage mit anschliessend Kirchenkaffee: Sonntag, 6.10.2019, 10:00

Radio LoRa

Militärstrasse 85a, 8004 Zürich

Studio: 044 567 24 00

Koordination: 044 567 24 11

E-Mail Kontakt: Link hier

Präsenzzeiten: Montag bis Freitag 10 – 17 Uhr

IBAN CH91 0900 0000 8001 4403 9

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