„Mütter und Töchter" bei Radio LoRa: „Alte Radiohäsinnen" und Neueinsteigerinnen in mehr als zwei Jahrzehten „Fraueninfo".

Viele Frauenprojekte im non Profit bereich haben mittlerweile ein lange wechselvolle Geschichte, die oftmals davon geprägt ist, wie sich die Zusammenarbeit von „Alten Häsinnen" und Neueinsteigerinnen im Projekt gestaltet. Zu den Gründerinnen und zumeist langjährigen Weggefärtinnen in Projekten stossen neue, oft jüngere und weniger erfahrene Frauen von aussen dazu.

Ein Projekt, an dem sich seit fast 25 Jahren unterschiedliche Frauen beteiligt haben, ist das „Fraueninfo" bei Radio LoRa.

Im Folgenden möchte ich seine lange, nicht immer einfache Geschichte aus der Sicht aktueller und ehemaliger Sendungsmacherinnen nachzeichnen, und aufzeigen, wie Frauen dort zusammengearbeit haben. Bei meiner Recherche und meinen Gesprächen mit früheren und gegenwärtigen Sendungsmacherinnen des Fraueninfos haben mich folgende Fragen besonders interessiert:

Wie wirken sich die unterschiedlichen „Generationen" aufs Projekt aus? Wie geben die „Mütter" in solche Projekte ihre Erfahrung und ihr Wissen an neue Frauen weiter? Sorgt die „Töchtergeneration" für frischen Wind im Projekt? Woran entzünden sich Konflikte zwischen langjährigen und neuen Mitarbeiterinnen ?

Seit der Gründung von Radio LoRa im Zuge der 80er Bewegung in Zürich haben sich Frauen innerhalb des Radioprojekts zusammengetan, um Themen, die für Frauen relevant sind, zusammenzutragen und diese in einem Sendegfäss umzusetzen. Das Fraueninfo ist eine zumeist einstündige Sendung mit Kurznachrichten und Hintergrundberichten zu aktuellen Themen aus Frauensicht. Im „Fraueninfo" ist ausserdem Platz für Interviews, Berichte von Aktionen und Demos, Tips zum Weiterlesen, um ein behandeltes Thema zu vertiefen und Veranstaltungshinweise für Frauen.

In den 80er Jahren sah die Repräsentaion von Frauenthemen in Mainstreammedien noch reichlich trüb aus. Frauen als aktiv handelnde Subjekte kamen kaum vor, Lesben, wenn überhaupt nur aus voyeuristischen Journiblick. Viel zu oft richteten Zeitungen und Radios den Blick nach oben auf die „Politik der grossen Männer". Dabei übersahen sie oft die Lebensrealitäten von Frauen und ihre kleinen und grosse Widerstände im Alltagsleben gegen männliche Dominanz in fast allen gesellschaftlichen Bereichen.. Die Sendungsmacherinnen des „Fraueninfos" versuchen daher, mit ihrer Sendung feministische Gegenöffentlichkeit herzustellen.

Neben einem Stamm von Frauen, die über einen längeren Zeitraum bei Fraueninfo mitgemacht haben, sind immer wieder neue Frauen, die dort oftmals erste Radioluft schnuppern konnten, dazugestossen.

Die neuen Frauen konnten vom Wissen der alten Häsinnen profitieren und dort die Studiotechnik und alles, was es zur Sendungsgestaltung braucht, lernen. Viele ehemaligen Fraueninfomacherinnen betonen, dass es ihnen im reinen Frauenzusammenhang des Fraueninfos leichter als in einer gemischten Gruppe gefallen ist, sich mit der Radiotechnik vertraut zu machen.

Nicht immer sind Frauen lang beim Fraueninfo geblieben, gerade in den Anfangsjahren von Radio LoRa haben etliche Frauen nach kurzer Infozeit entdeckt, dass ihnen andere (Frauen-)Radio formate mehr liegen und sich dort eingebracht. Damit war innerhalb der Fraueninfogruppe eine gewisse Fluktuation gegeben. Manche von ihnen haben aber ab und zu trotzdem ein Beitrag zum Info beigesteuert.

In den Anfangsjahren des Fraueninfos waren die Macherinnen stark in der Zürcher Frauenszene involiert. Sie nutzten das Fraueninfo nicht zuletzt als Medium, ihr feministisches Engagement einem weiterem Publikum vorzustellen. Grossen Zulauf hatte das Fraueninfo Anfang und Mitte der 90er Jahre. Jedes Info wurde von einem Team engagierter Frauen gemeinsam vorbereitet und gesendet, die sich mit den anderen Frauen in monatlichen Fraueninfositzungen austauschten. Neben Abspreche, welche wann das Info übernimmt, boten die Fraueninfositzungen auch Raum für grundsätzliche Reflexion der eigenen Radioarbeit. Anfang der 90er Jahre beispielsweise fragten die Fraueninfomacherinnen spannende nach den Machtverhältnissen in den Medien und ihre Möglichkeiten, diese zu durchbrechen Denn auch als feministische Sendungsmacherinnen verfallen Frauen in die Rolle der JournalistInnen und haben somit Macht über diejenigen, über die wir berichten.

Oftmals wussten die alten Radiohäsinnen allerdings gar zu genau, wie ein Beitrag sich anzuhören hatte. Nicht immer war es für Frauen, die erst kurze Zeit beim Fraueninfo waren, leicht, eigene Vorschläge einzubringen, die von dem, „wie es frau schon immer gemacht hatte", abwichen. Einige ehemalige Sendungsmacherinnen erzählten, dass sie, als sie frisch zur Frauninfogruppe gestossen waren, es nicht immer leicht hatten, in die streckenweise sehr homogene Gruppe der Infofrauen reinzukommen und dort neue Ideen zu verwirklichen. Allzu rigose vorgetragene Erwartung von Seiten der erfahrenen Fraueninfomacherin habe auch manche neue Frau abgeschreckt, erzählt eine Infomacherin der 90er Jahre. Trotzdem beurteilen ausnahmlos alle Frauen, die ich befragt habe, die beim Fraueninfo als bereichernd. Die Verbundenheit zwischen etlichen Frauen hörte nicht beim Radiomachen auf. „Das war meine Familie, da habe ich dazugehört", so eine ehemalige Sendungsmacherin.

Lange Jahre war das Fraueninfo fest in den Händen weisser, westeuropäisch sozialisierter Frauen. Erst in den 90er Jahren haben verstärkt Frauen mit Migrationshintergrund in der Fraueninforedaktion mitgearbeitet und dazu begetragen, dass manche langjähre schweizer Fraueninfomacherin gezwungen war, über ihren Tellerrand zu blicken.

Nach der Jahrtausendwende haben sich verschiedene, langjähre Infofrauen neuen Aufgaben gewidmet. Darauf hat sich keine neue Gruppen von Frauen herausgebildet, die es gemeinsam gestalten. Statt dessen arbeiten einzelne Frauen relativ autonom an ihren Fraueninfos. Dabei vermissen die aktuellen Fraueninfomacher zwar den Austausch, haben sich aber in ihrer Autonomie eingerichtet.

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