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Nach dem Putsch ist vor den Wahlen - Rede von Leonida Zurita (MAS) aus Bolivien

Schwerpunkt-Thema Lateinamerika - die Hauptrede des 1.Mai Komitees On Air (spanisch/deutsch)

Als Hauptrednerin zu diesjährigen 1. Mai in Zürich hat das 1.-Mai-Komitee eine Vertreterin der indigenen Bevölkerung aus den Andenländern eingeladen. Und dies nicht zufällig, was in den letzten 14 Jahren in Bolivien (und eine Zeitlang in Ecuador) abging war eine neue Art des Politikverständnisses. Gestützt auf uralte indigene Denkweisen und Traditionen, insbesondere im Bezug auf das Verhältnis Mensch-Natur, aber auch bezüglich des Kollektivs, das Zusammenlebens, der Bestrebungen für ein 'buen vivir' für alle. Das höchste schützenswerte Gut ist die Mutter Erde, von ihr geht alles aus, zu ihr kehrt alles zurück, Wer das nicht achtet, ist dem Untergang geweiht. Dieses Denken und Handeln steht im Kontrast zum westlichen, von der Bibel geprägten Fortschrittsglaube im Sinne von 'macht euch die Erde Untertan'.
Zu uns spricht nun Leonida Zurita aus Cochabamba, Bolivien. Es ist weniger eine flammende Rede, wie wir das am 1.Mai gewohnt sind, sondern vielmehr eine Reflexion, eine Darstellung der Leiden, der Diskriminierungen und Toten welche die indigenen Völker über die Jahrhunderte zu erleiden hatten. und wie es dann gelang, durch die Schaffung der Einheit sowie eines politischen Instruments (das MAS) schliesslich einen ersten indigenen Präsidenten zu stellen, der im November nach 14 Jahren spektakulären Erfolgen weggeputscht wurde, und es mit Gewalt zu einer Rückkehr zur 'alten Ordnung' kam.
Erobert haben sie den Kontinent mit Schwertern und dem Kreuz - jetzt den Regierungssitz in La Paz mit Putsch und der Bibel!
Leonida Zurita, indigene Frau, Mutter, Kämpferin der ersten Stunde verkörpert par excellence das Ringen der Mehrheit der Lateinamerikaner*innen für eine sozialere, gerechtere und nicht-diskriminierende Gesellschaftsordnung. Als Parlamentsabgeordnete und Verantwortliche für internationale Beziehungen der Regierungspartei fielen ihr bis zum Tag des konterrevolutionären Putsches vom 11. November gewichtige Aufgaben zu. Und der über 500jährige Kampf geht unter erschwerten Bedingungen weiter.
Der Lebensweg in so gewichtige Funktionen war der früh zur Halbwaisen gewordenen Tochter einer Bäuerin und Gewerkschafterin keineswegs in die Wiege geschrieben. Sie übernahm sehr jung die Rolle als Aktuarin in einer Bauerngewerkschaft, war dabei bei den sagenhaften und langen Protestmärchen nach La Paz, in Verteidigung der Coca als Kulturpflanze, beteiligte sich an den Kämpfen gegen die Privatisierung des Wassers und der Gasvorkommen, erlebte wiederholt die polizeiliche Repression, wurde verschiedentlich vor Gericht gestellt, erlitt Fehlgeburten und sah Kampfgefährtinnen umkommen.
In diesen langen Jahren spielte das MAS als politisches Instrument zur Schulung, Bewussseinsbildung und Organisierung breiter Bevölkerungskreise, insbesondere auch der weiblichen, eine wachsende Rolle. Leonida Zurita resumiert:
'Zuerst dachte ich, unser Kampf gelte den Interessen der Cocaleros, dann sah ich, dass wir diesen Kampf für ganz Bolivien führen müssen, und letztlich für ganz Lateinamerika'.

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Freitag, 01.05.2020 - 11:10 - 12:10

Nach dem Putsch ist vor den Wahlen - Rede von Leonida Zurita (MAS) aus Bolivien

Schwerpunkt-Thema Lateinamerika - die Hauptrede des 1.Mai Komitees On Air (spanisch/deutsch)

Als Hauptrednerin zu diesjährigen 1. Mai in Zürich hat das 1.-Mai-Komitee eine Vertreterin der indigenen Bevölkerung aus den Andenländern eingeladen. Und dies nicht zufällig, was in den letzten 14 Jahren in Bolivien (und eine Zeitlang in Ecuador) abging war eine neue Art des Politikverständnisses. Gestützt auf uralte indigene Denkweisen und Traditionen, insbesondere im Bezug auf das Verhältnis Mensch-Natur, aber auch bezüglich des Kollektivs, das Zusammenlebens, der Bestrebungen für ein 'buen vivir' für alle. Das höchste schützenswerte Gut ist die Mutter Erde, von ihr geht alles aus, zu ihr kehrt alles zurück, Wer das nicht achtet, ist dem Untergang geweiht. Dieses Denken und Handeln steht im Kontrast zum westlichen, von der Bibel geprägten Fortschrittsglaube im Sinne von 'macht euch die Erde Untertan'.
Zu uns spricht nun Leonida Zurita aus Cochabamba, Bolivien. Es ist weniger eine flammende Rede, wie wir das am 1.Mai gewohnt sind, sondern vielmehr eine Reflexion, eine Darstellung der Leiden, der Diskriminierungen und Toten welche die indigenen Völker über die Jahrhunderte zu erleiden hatten. und wie es dann gelang, durch die Schaffung der Einheit sowie eines politischen Instruments (das MAS) schliesslich einen ersten indigenen Präsidenten zu stellen, der im November nach 14 Jahren spektakulären Erfolgen weggeputscht wurde, und es mit Gewalt zu einer Rückkehr zur 'alten Ordnung' kam.
Erobert haben sie den Kontinent mit Schwertern und dem Kreuz - jetzt den Regierungssitz in La Paz mit Putsch und der Bibel!
Leonida Zurita, indigene Frau, Mutter, Kämpferin der ersten Stunde verkörpert par excellence das Ringen der Mehrheit der Lateinamerikaner*innen für eine sozialere, gerechtere und nicht-diskriminierende Gesellschaftsordnung. Als Parlamentsabgeordnete und Verantwortliche für internationale Beziehungen der Regierungspartei fielen ihr bis zum Tag des konterrevolutionären Putsches vom 11. November gewichtige Aufgaben zu. Und der über 500jährige Kampf geht unter erschwerten Bedingungen weiter.
Der Lebensweg in so gewichtige Funktionen war der früh zur Halbwaisen gewordenen Tochter einer Bäuerin und Gewerkschafterin keineswegs in die Wiege geschrieben. Sie übernahm sehr jung die Rolle als Aktuarin in einer Bauerngewerkschaft, war dabei bei den sagenhaften und langen Protestmärchen nach La Paz, in Verteidigung der Coca als Kulturpflanze, beteiligte sich an den Kämpfen gegen die Privatisierung des Wassers und der Gasvorkommen, erlebte wiederholt die polizeiliche Repression, wurde verschiedentlich vor Gericht gestellt, erlitt Fehlgeburten und sah Kampfgefährtinnen umkommen.
In diesen langen Jahren spielte das MAS als politisches Instrument zur Schulung, Bewussseinsbildung und Organisierung breiter Bevölkerungskreise, insbesondere auch der weiblichen, eine wachsende Rolle. Leonida Zurita resumiert:
'Zuerst dachte ich, unser Kampf gelte den Interessen der Cocaleros, dann sah ich, dass wir diesen Kampf für ganz Bolivien führen müssen, und letztlich für ganz Lateinamerika'.

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