Frauen* kämpfen. Audio-Collage vom 8. März 2015

Mit Live-Reportage zum Aufstand. Have you ever dreamed of taking over the city? Hai mai sognato di occupare la città? Ṣehri ele geçirmeyi hayal ettiniz mi hiç? Hast du jemals davon geträumt die Stadt einzunehmen?

...zum Nachhören

frauenstreik 1991 web

Die Hälfte des Äthers ist der Name der Frauenredaktion bei Radio LoRa. Das sind seit 30 Jahren Hunderte von Frauen, die sich mit viel Engagement hinters Mischpult setzen, recherchieren, interviewen, Musik auflegen, moderieren, am Mikrofon lachen und protestieren.

lora frauenzeichenInnerhalb der Frauenbewegung war die Repräsentation von Frauenthemen in Mainstreammedien ein wichtiges Thema. Frauen als aktiv handelnde Subjekte kamen kaum vor, Lesben, wenn überhaupt, nur aus voyeuristischem Journiblick. Viel zu oft richteten Zeitungen und Radios den Blick nach oben auf die "Politik der grossen Männer". Dabei übersahen sie die Lebensrealitäten von Frauen und ihre Widerstände im Alltagsleben gegen männliche Dominanz in fast allen gesellschaftlichen Bereichen.

Dem setzen die Frauen bei LoRa in der gemeinsamen Frauenredaktion unter dem programmatischen Titel "Die Hälfte des Äthers" Berichterstattung aus Frauensicht entgegen. Viele Beiträge fühlen sich dem Konzept feministischer Gegenöffentlichkeit verpflichtet. Sie macht die vielfältigen Beiträge von Frauen im öffentlichen Leben sichtbar und zeigt Frauen als aktiv Handelnde. Dabei hat feministische Berichterstattung dem Objektivitätsschein von Male- und Mainstreammedien stets den Wert feministischer Parteilichkeit und Kritik entgegengesetzt.


Durch die relative Zugangsoffenheit ermöglicht es Radio LoRa Frauen mit unterschiedlichsten Hintergründen, gemeinsam am Radioprojekt zu arbeiten und sich darüber kennen zu lernen und zu vernetzen. Viele Sendungen werden von Frauen mit Migrationserfahrung gestaltet. Frauen bringen in ihren Sprachen ihre verschiedenen Anliegen ein.

Neben Sendungen, die sich dezidiert mit feministischen Themen beschäftigen, gibt es auch eine Reihe von Sendungen, die von Frauen gestaltet werden, die sich nicht ausdrücklich mit Frauenfragen auseinandersetzen. Diese Sendungen sind aber nicht weniger politisch wie die feministischen Sendungen. Das Politische an einem Gemeinschaftsradio wie dem LoRa liegt nicht nur in den explizit politischen Themen, sondern bereits darin, dass Menschen, deren Stimme sonst nicht gehört wird, das Wort ergreifen und sich einmischen. Die Forderung der autonomen Frauenbewegung 80er Jahren nach "Politik in der ersten Person" setzen Sendungsmacherinnen bei LoRa in ihren Programmen um.

In den letzten Jahren haben auch Positionen, die durch feministische Debatten eingefordert wurden, Eingang in die Programme bei LoRa gefunden. In vielen Sendungen hat sich der Blick für alles jenseits von heteronormativer Zweigeschlechtlichkeit erweitert, zu feministischen Inhalten sind also auch queere Inhalte gekommen.

Anliegen, die sonst un-erhört bleiben, gibt es für Frauen bei LoRa genug. Radio LoRa bleibt ein Ort für laute, leise, softe und wütende Einmischung von Frauen!

Die LoRa Frauenredaktion trifft sich etwa einmal im Monat zur Redaktionssitzung, zur Unterstützung und Austausch, und zum Planen von Kampagnen, Sendungen und Projekte, wie zum Beispiel der 8. März, Monat gegen Sexismus, 16 Tage gegen Gewalt an Frauen… Die LoRa-Frauenredaktion ist ausserdem verantwortlich für die Sendeplätze am Montag: Am Montag sind nur Frauen* an den Mikrophonen und es werden (fast) ausschliesslich Frauen*Stimmen gespielt. Die Hälfte des Äthers ist auch der Name des feministischen Themenmagazins, einer Sendung, die als offenes Gefäss organisiert ist und von verschiedenen Frauen abwechslungsweise gestaltet wird. Das LoRa ist am Montag Abend ab 17 Uhr ausschliesslich für Frauen* offen.

Es gibt die Möglichkeit, sich zu beteiligen! Wer sich fürs Radiomachen interessiert, kann sich bei uns melden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

justice pour sakine leyla fidanAm 9. Januar 2013 wurden die drei kurdischen Frauen Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez bei einem politischen Attentat ermordet. Am 23. Januar 2017 hätte der Prozess gegen den mutmasslichen Mörder beginnen sollen. Zu den aktuellen Entwicklungen und zum Todestag der drei Frauen auf Radio LoRa:

* Fraueninfo: Montag, 9. Januar, 18 – 19 Uhr Wiederholung Mittwoch 12 - 13 Uhr
Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez wurden in den Räumen des Kurdischen Informationsbüros in der Nähe des Pariser Nordbahnhofes mit Schüssen in Kopf und Bauch ermordet. Eine gezielte Exekution, mitten in Europa. Vier Jahre später ist der Mord vor Gericht nach wie vor ungeklärt - vieles deutet auf eine Verwicklung des türkischen Geheimdienstes MIT hin. Der mutmasslichen Mörder Ömer Güney wird im Prozess aber keine Auskunft mehr geben können – er ist am 16. Dezember 2016 gestorben. Im Fraueninfo gehen wir Fragen zum Prozess nach und berichten von der europaweiten Grossdemonstration vom Samstag in Paris.

* die Hälfte des Äthers: Montag, 9. Januar, 21 – 22 Uhr Wiederholung Freitag 11 - 12 Uhr
Sakine Cansız war eine der wichtigsten Persönlichkeiten der kurdischen Befreiungsbewegung. In der Hälfte des Äthers lesen wir aus dem ersten Band ihrer Autobiographie „Mein ganzes Leben war ein Kampf“ vor. Sakine Cansız verfasste dieses Buch in den 1990er Jahren. Sie beschreibt sowohl die politischen Ereignisse als auch ihre ganz persönlichen Gefühle und Gedanken, die der revolutionäre Aufbruch in der Türkei und in Kurdistan in ihr auslöste. Dieser Aufbruch war für sie zugleich ein Prozess der Selbstfindung und Subjektwerdung. Sie erkämpfte sich ihre eigene Persönlichkeit und Identität, indem sie fragend voranging. Letztlich fasste sie mit grosser innerer Freude den unumstösslichen Entschluss: „Ich will Revolutionärin werden und niemand kann mich aufhalten!“ Nach der Buchrezension folgt ein Gespräch mit einer weiteren kämpferischen Frau der kurdischen Befreiungsbewegung und wir diskutieren gemeinsam die Bedeutung von Sakine Cansız.

gegen Gewalt 2016

Rund um den 25. November -  den internationalen Kampftag gegen jegliche Form von Gewalt an Frauen* - beteiligt sich die Frauen*Redaktion von Radio LoRa mit Sendungen an der Kampagne gegen Gewalt an Frauen. Drei Sendungen von der Kampagne 2016 gibts zum Nachhören auf Soundcloud

Die nächste Frauen-Redaktionssitzung findet statt am 3. April 2017, 19.00 im Lora statt.

Jeden Montagabend um 20 Uhr auf Radio LoRa: Die Hälfte des Äthers

Programm im November

* 14. November & 28. November: Historie als feministisches Argument
* 21. November: Rojava – die Revolution der Frau geht weiter

>>> Mitgliedschaft!

Vielstimmig, mehrsprachig, von Frauen mit und ohne Fluchterfahrung, über Frauenkämpfe, die Situation von geflüchteten Frauen in der Schweiz, gegen Rassismus und Kriegspolitik, für die feministische Revolution. Am 8. März gibt es ein Tag lang Sondersendungen zum Internationalen Frauenkampftag. Alle Sendungen mit Details zum Programm

Das LoRa ist an diesem Tag offen für Frauen*. Es gibt Essen und Getränke - kommt vorbei zum gemeinsamen Radiohören, oder um spontan einen Beitrag über den Äther zu senden. Bring deinen feministischen Musikwunsch mit für die Jukebox am Abend!

Specials:

19.30 Uhr: Über das Haar (live). Ein Stück von Michèle Breu für fragende Gedanken und suchende Träume. Mehr Infos

22 Uhr: Jukebox Alarm: feministisch Feiern mit deiner Musik auf 97.5 Megahertz.
Bring Musik mit (von Frauen*!) (auf CD, Platten,MP3-Player, Memory-Stick...) und spiel sie selber im Studio ab. Oder ruf an mit einem Musikwunsch.
Zum Vorbeikommen: Militärstrasse 85a
Zum Anrufen: 044 567 24 00

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FRAUEN*DEMO zum Internationalen Frauenkampftag

Samstag, 12. März, 13.30 Uhr Hechtplatz

Feminismus heisst auch: Kriegsprofiteure angreifen / mit Geflüchteten gemeinsam kämpfen / Selbstverwaltung & Selbstverteidigung aufbauen. Organisiert vom 8. März Frauenbündnis Zürich. Mehr Infos

Am gleichen Tag ab 22 Uhr, Frauen*Lesben*Trans*Inter*Party im Blauen Haus, Kochareal, Rautistrasse 22

Wo finden Frauenkämpfe heute statt? Wie sehen diese Kämpfe aus? Wie lassen sich revolutionär-feministische Perspektiven leben? Über diese und andere Fragen wurde am feministischen Politik­wochenende diskutiert, sich vernetzt, Ideen entwickelt und Perspektiven formuliert. Das Femwo fand vom 9. – 12. Juli 2015 im Haus Mösli in der Nähe von Zürich statt. Entstanden ist dieses Wochenende im Umfeld des 8.März Frauen*bündnis Zürich. Die LoRa Frauenredaktion hat einige der Veranstal-tungen aufgenommen. Alle Sendungen, die daraus entstanden sind könnt ihr zwischen November und Februar in der Hälfte des Äthers hören. Hören, sich bilden, feministische Perspektiven entwickeln!

2015 femwo sendungen web flyer

Ophelias Rache 8maerz2015 w

"...Ich bin allein mit meinen Brüsten meinen Schenkeln meinem Schoss. [...] Ich reisse die Türen auf, damit der Wind herein kann, der Schrei der Welt."

Den internationalen Frauentag, 8. März 2015, nahm das LoRa zum Anlass ein Theater-Projekt live zu übertragen. Die Inszenierung bestand einerseits aus Szenen der „Hamletmaschine“ von Heiner Müller und andererseits aus Auszügen von Heiner Müllers Aufzeichnungen „Krieg ohne Schlacht – Leben in zwei Diktaturen“, in denen er über die Entwicklung seiner Hamlet-Bearbeitung berichtet.

In der Umsetzung der beiden Texte wurde, mit Techniken der Improvisation und dem formalen Mittel der Wiederholung, der Thematik eine szenische Entsprechung verliehen. Das Ensemble bestand aus zwei Schauspielerinnen (Autorin und Ophelia) und einer Violinistin. Die Autorin transportierte die Gedanken Müllers aus seiner Autobiografie. Gleichzeitig steuerte sie als Spielleiterin die Inszenierung um die Figur der Ophelia respektive den zwei Passagen der Ophelia aus der Hamletmaschine. Hierbei Ophelia tritt als gespenstische Wiedergängerin in dem apokalyptischen Szenario auf. Dabei wurde das Element der Musik ebenbürtig neben szenischem Spiel und Sprache eingesetzt.

Der fremdartige und rätselhafte Text Müllers hat bis heute nichts an seiner Aktualität eingebüsst und so suchte das LoRa in diesem Projekt, zum Anlass des internationalen Frauentages, eine Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau in den zeitaktuellen Diskursen.

(Ophelia: Susan Wohlgemuth, Violine: Katja Willi, Regie und Figur der Autorin: Rahel Jud)

Wie alle Sendungen kann das Theaterstück Ophelias Rache im Lora-Archiv nachgehört werden.